FAQ

Gibt es eine Migräne-Persönlichkeit, die psychotherapeutisch behandelt werden muß?

"In den Berufen der Gesundheitsversorgung hält sich bis heute das Bild eines typischen Migränikers mit Persönlichkeitseigenschaften, die eine Veranlagung für diese Erkrankung suggerieren. Die Literatur bedient sich Beschreibungen wie: "angespannt, peinlich genau, perfektionistisch, ehrgeizig, leistungsorientiert, abhängig von der Meinung anderer". Migräniker haben demnach "... wegen ihrer charakteristischen Ängstlichkeit und Unsicherheit große Schwierigkeiten, ihre Gefühle adäquat zu äußern und auf Belastungssituationen angemessen zu reagieren."

Demgegenüber fanden kritische Autoren in Untersuchungen, die migränetypische Persönlichkeitseigenschaften herausstellten, keinen Beleg dafür, daß diese prämorbid angelegt waren und nicht im Verlaufe der Krankheit reaktiv erworben wurden. Z.B.: Wenn Migräniker erhöhte Neurotizismus- und Ängstlichkeitswerte aufweisen, so könnten diese als eine erhöhte Erregung des sympathischen Nervensystems interpretiert werden und eher eine Plausibilität für das Zutreffen neuronaler Entstehungsmodelle der Migräne nahelegen. Demnach erklären bestimmte Merkmale der Betroffenen im Umgang mit kritischen psychosozialen Situationen nicht zwangsläufig die Entstehung von Migräneanfällen. Einige Autoren schlagen stattdessen eine Analyse der belastenden Situationen und der damit interagierenden Migräne-charakteristischen Reaktionen vor.

Dr. G. Fritsche, Essen

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