FAQ

Wann sollten Migräne-Betroffene eine Verhaltenstherapie in Betracht ziehen?

"Die Indikation für eine Verhaltenstherapie leitet sich weniger aus der Schwere des Schmerzes ab, sondern vielmehr aus dem Ausmaß der subjektiven Beeinträchtigung des Patienten. Diese wird bestimmt durch:

  • ungünstige gedankliche Verarbeitungsmuster (Kognitionen); z.B. Wertlosigkeits- und Katastrophenkognitionen ("mit dem Schmerz bin ich zu nichts mehr nütze", "wenn das so weitergeht, werde ich verrückt", "was soll denn noch helfen?")
  • defizitäre Bewältigungsstrategien; z.B. übermäßiges Schonverhalten; regelmäßige, oft exzessive Schmerzmedikamenteneinnahme; häufige Beanspruchung der Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • ungünstige Balance von Aktivität und Ruhe sowie von sozialem Engagement und Rückzug auf die eigene Person; z.B. fehlendes Gesundheitsverhalten; defizitäres Repertoire an nicht-beruflichen Aktivitäten; schmerzattribuierter sozialer Rückzug; vereinzelt auch Hyperaktivität
  • unangemessene emotionale Anpassung; z.B. depressiv-hilflose Verarbeitung des Schmerzes; Zukunftsangst; Gefühl der Unzulänglichkeit
  • Schwere des Schmerzerlebens; z.B. Intensität und Häufigkeit der Attacken - jedoch: Die Schwere des Schmerzes ist für das Ausmaß der Beeinträchtigung oft weniger bedeutsam als die übrigen Faktoren
  • Hochfrequente Einnahme von akut wirkenden Schmerz- oder Migränemittel.

Dr. G. Fritsche, Essen

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